Sturzbacher (Störtebeker)

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Moinsen,

Anfang des jahres 2009 habe ich bei Google Maps eine Entdeckung gemacht:
Bei der sogenannten ´´Räuberkuhle´´ im Naturschutzgebiet hinter Niendorf/Ostsee befindet sich im Gehölz ´´Goostnest´´ein Sturzbach. Nach langen Recherchen und viel Arbeit kann ich nun folgendes beweisen:
An diesem Sturzbach wurden in früher Zeit hochseetüchtige Holzschiffe gebaut und zu Wasser gelassen.
Bis zu diesem Sturzbach reichte damals ein See,
von dem man durch die Aalbeek in die Ostsee gelangen konnte, dort wo heute der Niendorfer Hafen liegt. Die Räuberkuhle wurde immer den Sagen nach mit dem berühmten Piraten ´´Störtebeker´´ in Verbindung gebracht. In alten Schriften hieß der jedoch ´´Stortebeker´´, ohne Umlaut. ´´Stortebek´´ heißt ´´Sturzbach´´, und die Anwohner dieses Sturzbachs waren die ´´Stortebeker´´. Dieses kann ich durch archäologische Funde beweisen, die ich an diesem Sturzbach gemacht habe. Die Burg ´´Wydole´´ der Stortebeker lag in der Ortschaft ´´Häven´´und wurde 1366 von den Lübeckern bei der ´´großen Fehde´´ gegen die ´´Ritter von Buchwald´´ zusammen mit fünf weiteren Burgen zerstört. ´´Häven´´ heißt nichts anderes als ´´Hafen´´. Dieser Hafen ist seit Jahrhunderten verlandet und befand sich unmittelbar unterhalb des Sturzbachs. Die ´´Stortebeker´´ waren Schiffbauer. Sie haben durch bloßes umleiten des Sturzbachs und aufstauen dort Schiffe vom Stapel gelassen oder für Reparaturen trockengelegt. Sie brachten über Jahre hinweg fast den kompletten Seehandel der Ostsee von und nach Lübeck durch Piraterie zum erliegen, bis sie 1366 dort vertrieben wurden und dann in der Ostsee und später auch Nordsee zu Berühmtheit gelangten.

SFM Strandanker 28.11.2009

Stefan Friedrich Mertz

Anmerkungen und Korrektur:

  1. Der Hafen in der Räuberkuhle war nicht ein Teil des Hemmelsdorfer Sees, sondern ein eigenständiger Stausee.
    Die Zufahrt zur Aalbeek in die Ostsee lag noch vor dem heutigen Niendorfer Vogelpark.
  2. Der sogenannte ´´Karpfenteich´´ in der Räuberkuhle ist das Ende des Sturzbachs vor dem Gefälle.
    Seine heutige Form ist nicht natürlich entstanden, sondern er wurde von den Schiffbauern so ausgegraben, daß man zwei Schiffe aneinander vorbeiführen konnte.
    Außerdem konnte dort der obere Aufbau eines Schiffes erfolgen, dessen Rumpf schon fertiggestellt bzw. neu instandgesetzt war.
    Somit wurde wieder Platz im Trockendock geschaffen.
  3. Wenn die Stortebeker ein Schiff in das Trockendock bringen wollten, mußten sie dazu nur das Wasser des Sturzbachs anstatt in das Bachbett in das Hafenbecken umleiten. Somit wurde der Höhenunterschied überwunden, und das Schiff konnte in das hinter dem ´´Karpfenteich´´ liegende Trockendock verbracht werden.
  4. An diesem Sturzbach wurden hochseetüchtige Schiffe von dreißig Metern Länge gebaut und instand gehalten.
  5. Nachdem die Lübecker die Burg Wydole zerstört und die Stortebeker dort vertrieben hatten, haben sie dort keinen Stützpunkt gegründet. Um zu verhindern, daß die dort vertriebenen Schiffbauer ihre Werft und das Trockendock wieder in Betrieb nehmen, wurde der Stuzbach (mitsamt dreier darin liegender Schiffe !) mit Erde zugeschüttet. Dies geschah, um das Trockendock für immer zu blockieren. Und es hatte auch zur Folge, daß das Hafenbecken verlandete, da der Hafen auf die Wasserzufuhr des Sturzbachs angewiesen war.
  6. Stortebeker war kein Familienname sondern ein Herkunftsname. Das erklärt auch, warum in der Geschichtsschreibung immer unterschiedliche Vornamen auftauchen. Alle Bewohner der Burg Wydole waren die Stortebeker.
  7. Die als Bodendenkmal umzäunte ´´Turmhügelburg Räuberkuhle´´ (oder auch ´´Burg Gosefelde´´) war nichts weiter als der Wachturm des Hafens. Von dort aus hatte man einen Überblick über das gesamte Umland, vor allem jedoch konnte man von dort aus die Küste und somit herannahende Schiffe beobachten.
  8. Auch die sogenannte ´´Null´´ bei der Räuberkuhle (eine Insel eines Seitenarmes der Verbindung zur Aalbeek hin) war Teil der Hafenanlage. Wenn sich zwei Schiffe entgegenkamen (zum Hafen oder zur See hin) konnte eines dort ausweichen, um die Insel herum wenden, und die Fahrt dann wieder fortsetzen.
  9. Die von ihrer Burg Wydole vertriebenen Stortebeker waren die Gründer von Niendorf/ostsee

Stefan Friedrich Mertz 24.07.2011

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